Rezensionen

Samstag, 5. April 2008

Wunderbare Windows-Weichware (2)

Als leidlich technikaffiner Mensch mit gediegenem Halbwissen wird der zonebattler in EDV-Angelegenheiten gern von Freund und Feind um Rat und Hilfe angegangen, das Thema hatten wir ja schon einmal. Die in der unfreiwilligen Beraterkarriere gewonnene Erfahrung zeigt, daß die allermeisten Zeitgenossen in Computerdingen erschreckend blauäugig sind, was die fürsorgliche Sicherung ihrer mühsam erstellten Texte, Tabellen und Fotos angeht: Kaum jemand erstellt Backup-Kopien der eigenen Arbeiten, die allerwenigsten gehen dabei planmäßig vor. Dabei kann so eine fröhlich summende Festplatte von einer Sekunde auf die andere ihren Geist aufgeben, ein beim Websurfen eingefangenes Schadprogramm Amok laufen, das schöne Notebook geklaut werden. Schneller als man denkt kann man also vor der Daten-Katastrophe stehen, und nur wer seine/ihre wichtigen Dateien stets sorgsam sichert, kann einem solchen GAU einigermaßen gelassen entgegensehen!

Das unbestritten sinnvolle Anlegen von Backup-Dateikopien unterbleibt oft nicht nur aus Unwissenheit, sondern auch mangels geeigneter und hinreichend kommoder Werkzeuge: Wer nur mit dem Windows-Explorer gelegentlich die wichtigsten Dokumente auf einen externen Datenträger schiebt, verliert schnell den Überblick, was wann gesichert wurde und welche Dateien seit der letzen halbherzigen Backup-Aktion Änderungen unterworfen waren. Kein Wunder, daß man da auch rasch die Lust am Sichern verliert, zumal ja bisher alles gutgegangen ist und von Daten-Katastrophen immer nur die anderen betroffen waren...

Nun braucht einen die Sicherheits-Paranoia nicht unbedingt dazu zu treiben, täglich komplette Festplatten-Images anzulegen und die redundanten Datenträger in Weinkeller, Büro und ehemaligem Kinderzimmer im Elternhaus strategisch weitläufig zu verteilen: Mit dem Sichern des Ordners »Eigene Dateien« und anderer eigener Arbeits-Verzeichnisse auf mindestens eine (besser zwei) externe USB-Festplatte(n) ist man für die meisten Fälle schon bestens gerüstet und auf der sicheren Seite. Des Autors Werkzeug der Wahl für diese (überlebens-)wichtige Aufgabe hört auf den Namen »Beyond Compare« [1] und kommt von der Firma Scooter Software:


Der Beispiel-Screenshot illustriert sehr schön die Arbeitsweise des auch in tadelloser deutscher Übersetzung verfügbaren Programms: Beyond Compare vergleicht pro (abspeicherbarer) Sitzung zwei frei ausgewählte Ordner auf beliebigen Datenträgern [2] und markiert inhaltliche Abweichungen farbig: Rote Dateien wurden seit dem letzten Vergeichslauf geändert und liegen in neuerer Version vor, blaue hingegen existieren auf der anderen Seite noch überhaupt nicht. Links wie rechts in identischer Fassung vorliegende Dateien können der Übersicht halber völlig ausgeblendet werden. Anschließend bedarf es nur noch eines Mausklicks auf einen der beiden gelben Dreifach-Pfeile in der Symbolleiste, um das Synchronisieren in der gewählten Richtung anzustoßen: In Windeseile werden dann die vorher farbig gekennzeichneten Dateien (und nur diese) in die angegebene Richtung kopiert. Und ehe man es sich recht versieht, ist das Backup erledigt! [3]

Optionseinstellungen für den Dateienvergleich

Der große Vorteil von Beyond Compare liegt in der völligen Transparenz seiner Arbeitsweise: Hier werden keine Sicherungen in speziellen Formaten vorgenommen, zu deren Wiedereinlesung bestimmte Software erforderlich wäre. Es bleibt auch nie im Dunklen, was genau nun eigentlich wohin übertragen wird. Nein, es werden -wie mit dem systemeigenen Explorer auch- nach klar visualisierter Auflistung ganz reguläre Datei-Kopien erzeugt, die sich später ohne weitere Hilfsmittel lesen und weiterbearbeiten lassen. So soll es sein!

Nicht minder glasklar fällt daher auch mein kritisches Urteil über dieses mir längst unentbehrlich gewordene Werkzeug aus:

Funktionalität 5 Sterne
Bedienbarkeit 5 Sterne
Nutzen 5 Sterne
Preis / Leistung 4 Sterne
Gesamturteil 5 Sterne

Der eine Stern Punktabzug beim Preis-/Leistungsverhältnis erklärt sich daraus, daß ein kostenloses Produkt in dieser Hinsicht natürlich noch besser zu bewerten wäre. Mit $ 30 Lizenzgebühr zählt Beyond Compare freilich immer noch zu den preiswerten Programmen, zumal beim aktuellen Dollar-Wechselkurs. Die frei herunterladbare Vollversion bleibt auch ohne die Eingabe eines Registrierungsschlüssels immerhin 30 Tage lang voll funktionsfähig, das sollte für ausgiebige eigene Tests allemal reichen. Doch die Ausrede »Datensicherung? Viel zu kompliziert!« gilt danach nimmermehr!


[1] Wörtlich übersetzt etwa »Über das Vergleichen hinaus«

[2] Der Abgleich ist nicht nur auf lokalen Datenträgern, sondern sogar mit Remote-Servern per FTP möglich.

[3] Natürlich möchte man nicht vorher bewußt gelöschte Dateien durch einen solchen Synchronisationslauf wieder von der Backup-Harddisk auf die PC-Festplatte gespült bekommen: Vor dem Synchronisieren klickt man daher die verwaisten Alt-Dateien in der bunten Übersicht an und schickt sie per [Entf]-Taste den Originalen hinterher ins elektronische Nirwana...

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Freitag, 21. März 2008

Wunderbare Windows-Weichware (1)

Wer viel am PC arbeitet, freut sich über jede Verbesserung, die Zeit und Mausklicks spart, zumal dann, wenn es sich nicht um kreative, sondern um eher stupide Mausakrobatik handelt. In einer mit diesem Beitrag startenden Serie möchte ich meinen geneigten LeserInnen ein paar praktische Software-Helferlein vorstellen, die ich aus eigener Erfahrung wärmstens weiterempfehlen kann...

Vor allem im Büro habe ich mit vielerlei Dateien zu hantieren (Word-Serienbriefe, Excel-Tabellen, PDF-Dokumente), die in einer Unzahl von Verzeichnissen liegen und überdies in einer recht ausfernden Ordnerhierarchie auf diverse Netzlaufwerke verteilt sind. Zu den gemeinsam genutzten Dateien auf Gruppenlaufwerken kommen noch die im persönlichen Bereich hinzu, und so mußte ich mich bis vor kurzem jedesmal beim Anklicken von »Datei öffnen...« oder »Datei speichern unter...« in der dann erscheinenden Auswahlbox vom aktuellen Ordner zu demjenigen durchhangeln, in dem die gewünschte bzw. abzulegende Datei zu liegen hat. Daheim am eigenen Rechner ist die Navigation nicht nennenswert einfacher, wenn man zwar weniger Netzlaufwerke, dafür aber getrennte Partitionen auf der Festplatte zur Verfügung hat: Viele Ordner gibt es also hier wie da. [1]

Vorhang auf, Auftritt des genialen »FileBox eXtenders«: Das famose Freeware-Programm erweitert systemweit alle Dialogboxen zum Laden/Speichern um ein paar überaus nützliche Symbole und Funktionen. Der wichtigste Knopf führt zu einer frei konfigurierbaren Favoriten-Liste mit den am meisten benötigten Ordnern:

Eigene Ordner-Favoriten sind mit dem 'FileBox eXtender' blitzschnell angesteuert

Das Bild oben zeigt einen Ausschnitt aus der regulären Dateiauswahlbox in meinem Bildbearbeitungsprogramm. Ein Klick auf den kleinen »Ordner mit Herz« läßt die (hier noch kurze) Liste mit meinen ständig benutzten Ordnern aufklappen. Ein weiterer Klick auf einen der gelisteten Ordner, und schwupps, schon wird der nämliche geöffnet. Schneller geht es nicht! Man kann die Favoriten-Liste nach eigenem Gusto reihen und bei Bedarf mit Trennstrichen (wie im Bild zu sehen) oder gar automatisch aufklappenden Untermenüs strukturieren [2]:

Das Konfigurations-Menü des 'FileBox eXtenders'

Doch damit nicht genug. Zusätzlich zur individuell gebastelten Favoritenliste führt der FileBox eXtender noch automatisch Buch über die während einer Arbeitssitzung besuchten und benutzten Ordner. Über ein zweites Icon (im oberen Screenshot das linke Symbol mit der Uhr im Ordner [3]) kann man diese Ordnerhistorie wahlweise chronologisch geordnet oder alphabetisch sortiert zur Anzeige bringen: Ein Klick auf den gesuchten Ordner in der Liste, und sofort wird dieser angesteuert. Fabelhaft!

Zwei weitere zuschaltbare Knöpfe (die gezeigte Pin-Nadel zum Fixieren von Fenstern im Vordergrund und ein von mir persönlich nicht benutzter Pfeil für Rolloeffekte (Zusammenschrumpfen des aktiven Fensters auf die schmale Titelleiste) runden den Funktionsumfang des praktischen Utilities ab. Mein Urteil fällt eindeutig aus:

Funktionalität 5 Sterne
Bedienbarkeit 5 Sterne
Nutzen 5 Sterne
Preis / Leistung 5 Sterne
Gesamturteil 5 Sterne

Wer nach dem Ausprobieren nicht 100%ig zufrieden ist, kriegt sein bzw. ihr Geld von mir persönlich zurückerstattet! ;-)


[1] Recht verstanden: Nicht mangelnde Struktur und Übersicht ist das Problem, sondern das aufwendige manuelle Manövrieren durch Pfade in Auswahl-Dialogen von nur rudimentärer Funktionalität.

[2] Man möge sich durch die englische Oberfläche des Konfigurations-Menüs nicht abschrecken lassen: Sowie erstmal alles nach eigenen Wünschen eingestellt ist, kriegt man davon so gut wie nichts mehr zu Gesichte...

[3] Die Symbole sind netterweise mit Hilfe eines (externen) Icon-Editors dem eigenen Geschmack anzupassen, ich habe mir für den Eigenbedarf unauffällige schwarz/weiß-Schaltflächen gebastelt.

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Dienstag, 22. Januar 2008

Inspektor gibt's kan

Der zonebattler erinnert sich noch recht gut an das Jahr 1980, schon deshalb, weil er damals seine Schulzeit beendet, ein angefangenes Studium recht bald wieder abgebrochen, das anschließende Berufsleben dagegen noch nicht so recht begonnen hatte. In diese flirrende Zeit seiner Orientierungssuche also fiel die deutsche Erstausstrahlung der österreichischen »Krimi«-Serie »Kottan ermittelt« [1]. Selten ist ein TV-Ereignis dem Autor dieser Zeilen so prägnant im Gedächtnis verhaftet geblieben, und das keineswegs nur, weil es ihn in einer entscheidenden Lebensphase erwischte: Zum einen war der subversiv-selbstreferentielle Humor der lakonischen Dialoge damals absolut innovativ und im Wortsinne bis dato unerhört, zum zweiten waren seine Eltern eben davon verstört und befremdet, sahen sie doch in jener respektlosen Satire ihr staatstragend-konservatives Weltbild hämisch verhöhnt und nachhaltig erschüttert. Schon das allein war für den (ansonsten wenig rebellisch veranlagten) ältesten Sohn des Hauses Grund genug, die Ausstrahlungen bevorzugt in Gegenwart der fassungslosen Rest-Familie zu goutieren...

Die zugegeben etwas weitschweifige Einleitung mag erklären, warum des Bloggers Herz einen Hüpfer tat, als er neulich eher zufällig von der DVD-Veröffentlichung dieser zu Recht als »Kult-Serie« bezeichneten Fernsehproduktion erfuhr. Die letzten Abende nun lungerte der zonebattler auf seinem Sofa herum und zog sich genüßlich die vier Scheiberl von »Kottan ermittelt (Akte 1)«. hinein, im übertragenen Sinne, versteht sich. Und was er da sah und hörte, war frappierend.

Vor allem deshalb, weil er seinerzeit wohl doch nicht alle Folgen im ZDF angeschaut hatte: Die ersten Episoden waren ihm offenbar entgangen [2]. Der spät vollzogene Lückenschluß offenbarte ihm jetzt erst die (r)evolutionäre Entwicklung dieser Serie, die vom zunächst durchaus klassisch konstruierten Krimi eine Transformation zur abstrus-bizarren Genre-Parodie durchmacht: Von Folge zu Folge wird der Pfad der ernst-seriösen Kriminalstudie mehr und mehr verlassen, die eigentliche Handlung tritt zusehends zurück hinter ein Feuerwerk der schrägen Schlagabtäusche (verbalen wie handgreiflichen) unter den jeweiligen Protagonisten.

Kottan ermittelt (Akte 1)

Über die Jahrzehnte hinweg haben erstaunlicherweise weder die farbig-drallen Millieu-Studien noch der schiere Klamauk an Qualität verloren [3]. Schon die ersten Folgen, die noch alle krimitypischen Zutaten in handelsüblicher Mischung aufweisen (Tat, Opfer, Verdächtige, Motive) sind hochgradig originell allein schon durch das soziale Umfeld der erzählten Geschichten: Während zeitgenössische bundesdeutsche Standardware à la Derrick oder Der Alte typischerweise in Oberschichtkreisen spielt (und damit fern der täglichen Erfahrungsrealität der meisten ZuschauerInnen), ermitteln Kottan und Kollegen im kleinbürgerlichen Millieu der Mietshäuser und Schrebergartenkolonien. Statt Playboys, Bankierswitwen und Akademikern agieren überwiegend mürrische Hausmeister, Postboten, renitente Rentnerinnen und schrullige Originale in dieser unverwechselbaren Wiener Melange aus bodenständiger Abgehobenheit [4]...

Die hier besprochene »Akte 1« enthält die ersten acht Folgen der Serie, wovon die Episoden 1-7 jeweils ca. 90 Minuten lang sind, die Nr. 8 dagegen schon das kurze Stundenformat der separat erhältlichen Folgen 9-19 aufweist. Bild und Ton sind altersbedingt passabel bis gut, ein Purist meines Schlages freut sich sogar ganz besonders, wenn eben keine digitale Verschlimmbesserung den Charme des Originalfeelings getilgt hat. So versetzen Farbeindruck und stellenweise Körnigkeit des Bildes den Betrachter auf subtile Weise um mehr als ein Vierteljahrhundert in die Vergangenheit zurück. So soll es sein!

Die beigegebenen Extras sind spärlich (Ein Kottan-Comic und ein Ende der 1980er neu geschnittenes Szenen-Potpourri aus Autorenhand namens »Kottans Kapelle«), aber ich halte das Fehlen umfassender Begleitmaterialien nicht wirklich für einen Makel: Erstens waren z.B. produktionsbegleitende »Making of«-Dokumentationen vor drei Jahrzehnten noch nicht üblich, zweitens kann der wahre Freak auf einschlägigen Fan-Seiten alles Wissenswerte nachlesen und diskutieren. Was wollte man mehr? Immerhin enthält die ansprechend aufgemachte Edition in ihrer originellen rot-weißen Klapp-Box ein schönes und informatives Booklet, was ja auch keine obligate Selbstverständlichkeit ist. Und damit ergibt sich folgende Gesamtwertung:

Film / Inhalt 5 Sterne
Bild & Ton 3 Sterne
Extras 2 Sterne
Aufmachung 5 Sterne
Gesamturteil 5 Sterne

Wie schon bei »Gernstl in den Alpen« macht sich die die Firma EuroVideo als Herausgeberin einmal mehr sehr verdient um televisionäre Preziosen abseits des Mainstreams. Wer sich jetzt erste Kottan-Box beispielsweise bei amazon.de bestellen mag, bekommt viel Spaß und Zeitgeist für gerade einmal fünfeinhalb Cent pro Filmminute frei Haus geliefert. Und bekommt womöglich Lust auf mehr: Über die noch skurilleren Fortsetzungen in der »Akte 2« werde ich hier zu gegebener Zeit einen eigenen Report abheften...


[1] »Krimi« in Anführungszeichen, weil sich das anarchische Opus schwerlich in das Schema gängiger Kategorisierungen pressen läßt.

[2] Tatsächlich kannte der Rezensent bislang nur Lukas Resetarits als Titelhelden, die Titelrollen-Vorgänger Peter Vogel (Folgen 1-2) und Franz Buchrieser (Episoden 3-5) waren ihm zwar vom Hörensagen, nicht jedoch aus eigener Anschauung bekannt.

[3] Ganz im Gegensatz beispielsweise zu »Klimbim«, welches längst nicht mehr prickelnd, sondern mittlerweile eher schal schmeckt...

[4] Ein nur scheinbares Paradoxon, in tu felix Austria und in des zonebattler's sprachlichen Theatralisierungen ist alles möglich.

Sonntag, 9. Dezember 2007

Energiebolzen

Mitunter bekommt selbst der durchaus technikaffine zonebattler bahnbrechende technologische Entwicklungen nicht sofort mit, vor allem wenn diese eher klein und unscheinbar daherkommen: Über ein Jahr nach der Markteinführung (!) bin ich tatsächlich erst dieser Tage auf die neuartigen »eneloop«-Akkus aufmerksam geworden, die der Hersteller Sanyo in den Baugrößen Mignon (AA) und Micro (AAA) fertigt und über den einschlägigen Fachhandel vertreibt.

Bei beiden Typen handelt es sich zunächst einmal um wiederaufladbare Zellen in Nickelmetallhydrid-Technik (NiMH). Äußerlich sind die kleinen Stromspeicher eher dezent gewandet und eingermaßen unauffällig:

eneloop-Akkus in Mignon-Größe (AA)

eneloop-Akkus (Größe AA) in meiner Kamera

Auch ihre inneren Werte lassen zunächst keine Wunder erhoffen: Mit 2000 mAh (Mignon) bzw. 800 mAh (Micro) liegen die zylindrischen Zellen sogar signifikant unterhalb der heutzutage üblichen Kapazitäten (ca. 2700 mAH bei Mignon-Akkus und bis 1100 mAh bei Micros).

Der Clou liegt in der bei diesen Akkus phänomenal geringen Selbstentladung, die nunmehr auch den sinnvollen Einsatz in Geringverbrauchern wie Fernbedienungen und Uhren oder nur recht sporadisch benutzten »Batterie-Aufbewahrungsbehältern« (vulgo »Taschenlampen«) ermöglicht: Während sich randvoll geladene NiMH-Zylinder herkömmlicher Machart bei Nichtbenutzung relativ zügig entladen (und damit als länger mitgeführte Notfallreserve wenig taugen), sollen die eneloops selbst nach einem Jahr Lagerzeit immer noch 85% der ehedem zugeführten Ladung intus haben!

eneloop-Akkus in Micro-Größe (AAA)

eneloop-Akkus (Größe AAA) in meinem Organizer

Insbesondere für Digitalknipser wie mich kommt das einer Offenbarung gleich: Endlich muß man vor einer Foto-Tour oder Urlaubsreise nicht mehr sämtliche Akku-Sätze neu laden, endlich muß man nicht mehr mit an sich unnötigen Ladezyklen die Lebensdauer seiner kostbaren Zellen strapazieren. Da erscheint die nominell geringere Kapazität der eneloops nicht wirklich mehr als großer Nachteil: Was nützen einem schon 2700 mAh, wenn mehr als 10% davon schon in den ersten paar Tagen von selbst »verpuffen«?! Entscheidend ist doch letztlich, wieviel man von der ursprünglich hineingesteckten Energie nutzbringend wieder entnehmen kann, und da schlagen die eneloops jedes andere Patent! Hochkapazitive Akkus herkömmlicher Bauart haben nur noch da ihre Berechtigung, wo die hohe Energiedichte auch zeitnah benötigt wird, in ferngesteuerten Modell-Spielzeugen beispielsweise, wo die frisch geladenen Zellen sofort vollständig »ausgelutscht« werden und jede Minute zusätzlicher Fahr-, Schwimm- oder Flugzeit einen echten Gewinn bedeutet...

eneloop-Akkus in Micro-Größe (AA)

eneloop-Akkus (Größe AA) in meinem Taschenspieler

Bei all' diesen Vorzügen erscheint der Endverbraucher-Preis von ca. 14 EUR für vier AA-Zellen als duchaus gerechtfertigt. Ein noch deutlich günstigeres Achter-Pack ist bei amazon.de schon für knappe 23 EUR (portofrei!) zu kriegen. Natürlich gibt es auch Kombi-Sets aus Akkus und Ladegerät zu kaufen, doch können vorhandene Ladegeräte (zumal hochwertige solche mit guter elektronischer Regelung und Einzelschacht-Überwachung) ohne Einschränkung weiterhin verwendet werden: Toll!

Sanyo hat alles Wissenswerte über die revolutionären »Energiebolzen« auf der angenehm sachlichen Website www.eneloop.de zusammengestellt. Natürlich kann ich selbst noch nicht über eigene Langzeit-Erfahrungen berichten, aber wer im Netz ein bißchen sucht und nach Anwender-Berichten forscht, findet die optimistisch erscheinenden Herstellerangaben aus vielen Mündern sämtlich bestätigt: Hier haben wir endlich die umweltfreundliche (und langfristig auch ökonomisch günstigere) Alternative zu den ökologisch fragwürdigen Einweg-Batterien!

Funktionalität 5 Sterne
Bedienbarkeit 5 Sterne
Design 5 Sterne
Preis / Leistung 4 Sterne
Gesamturteil 5 Sterne

Jetzt bin ich mal gespannt, wie sich meine eigenen eneloops im Praxiseinsatz verhalten: Tatsächlich kamen sie schon wie angepriesen vorgeladen und in so gut wie vollem Zustand an, was ja schon als erster Beweis für die propagierte, äußerst geringe Selbstentladung zu werten ist. Ich bin zuversichtlich, daß meine in Sachen Stromverbrauch ohnehin recht sparsame Kamera nunmehr zum konkurrenzlosen Dauerläufer aufgestiegen ist. Doch nicht nur dem Knipskasten ist hiermit geholfen: Dem geradezu elektrisierten zonebattler hilft die freudige Erregung über die Winterdepression hinweg! ;-)

Sonntag, 17. Dezember 2006

Zonenrandförderung

Ende Oktober berichtete ich begeistert von der Ausstellung »Randzonen« der jungen Fotografen Andy Brunner, Joachim Lindner, Frank Kretschmann und Stefan Koch. Wie damals schon angekündigt liefere ich heute (als veritablen Geschenktipp zum bevorstehenden Weihnachtsfest) eine umfassende Besprechung des zur Ausstellung erschienen Bildbandes gleichen Namens nach.

Wer des zonebattler's Fotografierstil kennt und ihn mit den vier folgenden Aufnahmen vergleicht, die er sich für diese Rezension von www.randzonen.com ausgeborgt hat, kann sich im Grunde jetzt schon denken, wie sein Verdikt ausfallen wird, nämlich überaus euphorisch!

'Randzonen'

Und das aus guten Gründen: Zum einen überzeugt die Auswahl ungewöhnlicher Motive aus den weniger repräsentativen Ecken Fürths und Nürnbergs, Randzonen eben, deren Details dem vorbeieilenden Passanten kaum je ins Bewußtsein dringen. Die zumeist eher tristen Orte erfahren freilich eine unverhoffte Aufwertung, ja geradezu spektakuläre Überhöhung durch das extreme Breitwand-Panoramaformat, welche alle Aufnahmen auszeichnet: Da staunt der Nürnberger, und der Fürther wundert sich...

'Randzonen'

Mit bewußt inszenierten Verstößen gegen die handwerklichen Regeln der Kunst (starke Vignettierungen in den Ecken, schräg durch das Bild gleitende Schärfe) führt uns das Quartett zum anderen in eine neue Sichtweise ein, die so gar nichts gemein hat mit den kitschigen Postkarten-Abbildungen typischer Touristen-Attraktionen und Sehenswürdigkeiten. Zwar sind sämtliche Randzonen aufgrund ihrer minutiösen Beschriftungen präzise verortbar, wirken aber doch gänzlich verschieden von dem, was man im Alltag von (und an) diesen banalen Örtlichkeiten gemeinhin wahrnimmt.

'Randzonen'

Der schwere Wälzer im extremen Querformat enthält an die 100 Fotografien in bester Druckqualität und konsequent durchgehaltenem, minimalistischen Layout. Besonders nett finde ich die Zuordnung der einzelnen Bilder zum jeweiligen Autor durch kleine farbige Quadrate: Gerade in Kleinigkeiten wie diesen offenbart sich die Hingabe zum Werk! Angenehm auch die kurzen und prägnanten Stellungnahmen der Lichtbildner zu den Hintergründen ihres Projektes: Wo das Ergebnis so überzeugend spricht, bedarf es in der Tat keiner vielen Worte...

'Randzonen'

Da ihre Auflage auf nur 320 Exemplare limitiert ist, werden die Randzonen selbst in den Bücherregalen von Kennern eine Randerscheinung bleiben. Interessenten tun also gut daran, sich rechtzeitig einen der nummerierten und von den Herren Fotografen persönlich signierten Bände zu sichern. Selbst der gerne ein Haar in der Suppe findende zonebattler hat diesmal nichts zu mäkeln:

Thema / Inhalt 5 Sterne
Text & Stil 5 Sterne
Fotos & Auswahl 5 Sterne
Aufmachung 5 Sterne
Gesamturteil 5 Sterne

Randzonen und Mainstream gehen schwerlich zusammen: Das Fotobuch ist nicht im Buchhandel erhältlich und kann nur über die Projekt-Homepage der Autoren zum angesichts der geringen Produktionsmenge recht günstigen Preis von EUR 69,00 zzgl. Porto bestellt werden. Wer dann nach der Lektüre auf den Geschmack gekommen ist, dem rate ich zu eigenen fotografischen Experimenten mit einer Agfa Clack...

Dienstag, 17. Oktober 2006

Kleeblatt-Kommunen-Kompendium

Es liegt auf der Hand, daß der zonebattler ein Buch über Fürth nicht wirklich vorurteilsfrei vorstellen kann: Wer immer sich in Wort und Bild oder sonstwie positiv über seine geliebte Wahlheimatstadt äußert, hat bei ihm ja prinzipiell schon ein großes Kleeblatt im Beet (oder so ähnlich). Freilich ist es für einen dilettierenden Hobby-Essayisten und Amateuer-Knipser wie mich schon aus Gründen des sportlichen Vergleichens spannend zu studieren, wie es denn die etablierten Profis von der schreibenden und abbildenden Zunft anstellen, wenn sie ein Patchwork-Portrait der Perle Frankens zusammenstellen: Nichts anderes treibe ich schließlich selber in diesem meinem Blog hier (wenn auch »nur« in virtueller Variante, mit elend langen Schachtelsätzen und einigermaßen unstrukturiert).

Dann also los: Rechtzeitig zum 1000-jährigen Stadtjubiläum im nächsten Jahr legen die Journalistin Gabi Pfeiffer und der Fotograf Erich Malter ein buntes Bilderbuch über Fürth vor, welches weniger die denkmalgeschützte Bausubstanz als vielmehr die hier lebenden und wirkenden Menschen in den Fokus nimmt. Ein erfrischend neuer Ansatz, zumal an erhellender Sekundärliteratur über alle Aspekte der Stadthistorie kein Mangel herrscht. Frech und flott wirkt schon das Cover der schweren Schwarte:

bilder buch stadt fürth

In vielen mundgerechten Häppchen zeichnen Gabi Pfeiffer und Erich Malter darin das Portrait eines Gemeinwesens anhand seiner Bürger und Bürgerinnen, seien es Hausfrauen, Arbeiter, Künstlerinnen oder Forscher. Kleine und große Leute kommen ausführlich zu Wort (und ins rechte Licht), wobei es aber keineswegs nur um subjektive Stimmungsbilder geht: Im abwechslungsreichen Reportagestil kriegt man quasi nebenbei (und ohne daß einem davon der Kopf schwirren würde) eine Unmenge von Fakten, Daten und wissenswerten Hintergrundinfos vermittelt. Lernerfolge ohne Langeweile: Das erfreut mein Schmalspur-Pädagogenherz, so soll es sein!

Das breite Themenspektrum und die prägnanten Fotografien laden zum Blättern und Schmökern nach eigener Neugier und Interessenlage ein. Doch egal, ob man den großformatigen und mit 176 Seiten auch ziemlich umfangreichen Wälzer von vorne nach hinten liest oder kreuz und quer durchblättert: Man ist sehr schnell verblüfft und angetan von der Vielfalt an markanten Persönlichkeiten, die in unserer Stadt wohnen und hier ihren Lebensunterhalt verdienen. Wobei die Auswahl notgedrungen subjektiv und unvollständig bleiben muß: Dem Rezensenten fallen aus dem Stegreif zwei Dutzend bemerkenswerte Leute ein, die er im Buch vermißt (wobei er auf der anderen Seite einräumen muß, erst durch die Lektüre auf zahlreiche interessante Menschen aufmerksam gemacht worden zu sein, die er bis dato nicht kannte).

Mit knapp 300 Aufnahmen ist das Buch üppig und eindrucksvoll bebildert, doch daß sich ein überregional bekannter Profi-Fotograf auf sein Handwerk versteht, bedarf im Grunde keiner besonderen Erwähnung. Eher schon, daß auch Layout, Typographie und Ausstattung (schweres, mattes Papier) des prächtigen Bandes auf durchgängig hohem Niveau liegen, was ihn als schönes Geschenk für alte und neue FürtherInnen nachhaltig empfiehlt:

Thema / Inhalt 5 Sterne
Text & Stil 4 Sterne
Fotos & Auswahl 4 Sterne
Aufmachung 5 Sterne
Gesamturteil 5 Sterne

Was man von einem von offizieller Seite geförderten Werk sicher nicht erwarten kann, ist eine kritische Auseinandersetzung mit den weniger strahlenden Aspekten der Stadt- und Bevölkerungsentwicklung. Dennoch ist das »bilder buch stadt fürth« keineswegs streamlined und weit mehr als nur ein dekoratives coffee table book... Eine klare Kaufempfehlung also vom stets lokalpatriotisch gestimmten zonebattler !

Das Werk ist im örtlichen Fachhandel erhältlich, man kann es aber auch (portofrei) direkt bei den Autoren bestellen. So oder so, die 29 EUR dafür sind gut angelegt!

Montag, 20. März 2006

Abfangjäger Alarmstart!

Als 1959er Spätlese ist der zonebattler mit Fernsehserien wie »Bonanza«, »Bezaubernde Jeannie« und »Daktari« aufgewachsen, und bei weiterem Nachdenken fielen ihm bestimmt ein Dutzend weiterer wöchentlicher Zeitkiller ein. Besonders prägend war im Zeitalter der ersten bemannten Mondlandungen freilich eine Science Fiction-Serie namens »UFO« (1970-1971), die neulich in Form silbern schimmernder Untertassen, pardon, ich meine natürlich DVDs, im heimischen Abspielgerät gelandet ist. Als bekennenden Fan der vorausgegangenen Marionetten-Serien von Gerry Anderson (»Stingray«, »Thunderbirds« und »Captain Scarlet and the Mysterons«) hat es mich gereizt, mir seine erste Nachfolge-Produktion mit echten Schauspielern aus Fleisch und Blut noch einmal genauer anzusehen...


Zur mehr oder weniger plausiblen Handlung von »UFO« will ich mich hier gar nicht weiter auslassen, dazu findet man auf vielen Fan-Sites (englischsprachigen wie deutschen) alles Wissenswerte. Ich will vielmehr der Frage nachspüren, was mich (und viele Gleichaltrige) seinerzeit an diesen überirdischen Abenteuern so fasziniert hat: Waren es die hanebüchenen Geschichten, die schrillen Frisuren und zeitgeist-geprägten Kostüme (historisierende Gehröcke bei den Herren, hautenge Overalls bzw. Miniröcke bei den Damen), die (wenn auch aus heutiger Sicht eher rührenden) Tricksequenzen und Modell-Aufnahmen? Alles davon stimmt, und wenn ich es recht überlege, dann läßt sich all' das zum Attribut very British subsummieren. Womit ich eleganterweise auch gleich den Erfolg von ähnlich erfolgreichen Dauerbrennern wie »Die 2« und »Mit Schirm, Charme und Melone« erklären kann: Die spezielle Mischung aus abgedrehter Story, trockenem Humor, sublim erotischer Spannung und hemmungsloser Technik-Verliebtheit ist es, die Film- und Fernseh-Produktionen (wie die vorgestellte) aus Ihrer Majestät Königreich damals so unverwechselbar machte!

In zwei Box-Sets mit je 13 Folgen (verteilt auf jeweils 4 DVDs) liegt nunmehr die komplette Serie vor, einschließlich aller nie in Deutschland ausgestrahlten Episoden. Tatsächlich gingen hierzulande nur 17 Folgen (und diese obendrein gekürzt) über den Äther. Der Herausgeber Epix Media, den ich schon für seine hervorragende Edition des TV-Klassikers »Ich, Claudius, Kaiser und Gott« lobte, zeigt hier einmal mehr, wie man es (weitgehend kompromißlos) richtig macht!!


Sehr positiv überrascht ist der Autor von der makellosen Bildqualität, der man das Alter der Aufnahmen in keiner Weise ansieht. Auch die Güte der Tonspuren (englisch und deutsch) geht absolut in Ordnung! Sofern Episoden nie für das deutsche Fernsehen synchronisiert worden sind, wurden sie im Original belassen: Mit 35 Jahren Zeitabstand wäre eine glaubwürdige Nachvertonung schlicht nicht mehr realisierbar, zumal einige der damaligen Synchronsprecher bereits verstorben sind. Dafür gibt es durchgängig einblendbare Untertitel in Deutsch oder Englisch, die allerdings erkennbar »mit der heißen Nadel gestrickt« worden sind... Bei den Extras wären ein paar Hintergrund-Interviews mit ehemals Mitwirkenden interessant gewesen, aber angesichts von Episoden-Führer, Charakter-Portraits, Bildergalerien und Trailer mag man nicht wirklich meckern: Vier Sterne gibt es dafür allemal!

Der glänzende Papp-Schuber und die darin enthaltene Kunststoff-Box vermögen zwar auf den ersten Blick zu gefallen, doch ist die stramme Klemm-Befestigung der sich überlappenden DVDs nicht der Weisheit letzter Schluß: Sehr schnell läuft man Gefahr, eine Disc beim Entnehmen zu beschädigen. Daß es da durchaus praktischere Patente gibt, hat Epix Media bei der schon erwähnten Claudius-Box selbst bewiesen. Hier sollte der Publisher unbedingt mal mit seinem Zulieferer reden...

Film / Inhalt 4 Sterne
Bild & Ton 5 Sterne
Extras 4 Sterne
Aufmachung 4 Sterne
Gesamturteil 4 Sterne

Unterm Strich kann man diese liebevoll gemachte DVD-Wiederveröffentlichung den junggebliebenen Fans des Genres nur empfehlen: Wer sich die Folgen 1-13 kauft und die Episoden 14-26 am besten gleich mit dazu, kann knappe 20 Stunden lang in spannenden Jugend-Erinnerungen schwelgen, naiv-bunte Zukunfts-Visionen und sexy Sixties-Mode inklusive. Viel Spaß auf dem nostalgischen Retro-Trip!

Dienstag, 14. März 2006

Drei Scheiben vom Glück

Der zonebattler ist seit jeher ein Liebhaber von Dokumentarfilmen, zumal von jenen, die auf spannende Weise Erhellendes über die Beschaffenheit und den Zustand unserer Welt vermitteln. Und manchmal hat es geradezu Offenbarungs-Charakter, einfach nur normalen Menschen beim Erzählen zuzuhören. Nichts anderes macht und bietet »Gernstl in den Alpen«.

Gernstl in den Alpen

Franz Xaver Gernstl verdient seinen Lebensunterhalt nach eigenem Bekunden mit dem Verplempern von Zeit [1]: Für das Bayerische Fernsehen fährt er mit seinem Kamera-Kumpel und seinem Mikrophon-Mann in einem VW-Bus mehr oder weniger ziellos durch die Gegend und läßt sich treiben... Wo immer er auf Menschen stößt, die interessant erscheinen oder denen ein Ruf vorauseilt, da sucht er das Gespräch, und zwar auf äußerst unprätentiöse Weise.

Und während die Kerners und Beckmanns dieser Fernseh-Republik ihre Talkshow-Gäste zuschwallen und deren Antworten just da abwürgen, wo sie interessant zu werden beginnen (womit diese Selbstdarsteller letztlich sowohl die Gäste als auch ihr Publikum verhöhnen), läßt Gernstl die Menschen fast ausschließlich selber sprechen und hält dabei auch längste Pausen aus. Immer bei laufender Kamera, stets in Großaufnahme. Das ist erstaunlicherweise weder peinlich noch langweilig, und mit der Zeit wird offenbar, daß Zufriedenheit und Lebensglück weder Reichtum noch wohlfeile Statussymbole erfordern, sondern nur eine Aufgabe, eine Passion, eine Berufung. Die, und das ist vielleicht die hoffnungsfroh stimmende Quintessenz, letztlich ein(e) jede(r) irgendwo und irgendwie finden kann!

Siebeneinhalb kurzweilige Fernsehstunden verbringt Gernstl in den Alpen eben dort und läßt uns vom Tegernsee über Tirol und das Engadin bis hin nach Südtirol, Kärnten und die Steiermark hautnah teilhaben an seinen Begegnungen mit höchst individuellen Menschen, die ihr ganz persönliches Stückchen Glück im Leben gefunden haben. Es fällt den um Worte gemeinhin selten verlegenen zonebattler schwer, die Magie dieser vollständig »spannungslosen« Filme adäquat zu beschreiben. Daher nur soviel: Die drei DVDs haben den Autor dieser Zeilen berührt wie schon lange keine Fernseh-Produktion mehr [2].

Auch äußerlich kann die Gernstl-Edition mit einem schön gestalteten und informativen Booklet, einer soliden Kunststoff-Box und einem attraktiven Papp-Schuber rundum überzeugen. Als unbedingt verbesserungswürdig erscheinen mir allerdings die Haltezapfen der Plastik-Box: Die halten die DVDs nämlich auch beim Niederdrücken dermaßen fest, daß man die empfindlichen Scheiben ohne weiteres Werkzeug nur unter bedenklichem Durchbiegen herausoperieren kann. Da sollte schleunigst nachgebessert werden! Von diesem mechanischen Malus abgesehen, kann man dem engagierten Herausgeber EuroVideo nur gratulieren und auf baldige Fortsetzungen hoffen...

Film / Inhalt 5 Sterne
Bild & Ton 5 Sterne
Extras 4 Sterne
Aufmachung 4 Sterne
Gesamturteil 5 Sterne

So unspektakulär und gleichwohl tief befriedigend kann Fernsehen sein: Wer sich diese »Drei Scheiben vom Glück« im Laden kaufen oder bei amazon.de bestellen sollte, wird es bestimmt nicht bereuen!


[1] Das Interview findet sich auf der Homepage zum Kinofilm »Gernstls Reisen«, der eine chronologisch sortierte Auswahl aus über 20 Jahren Gernstl'schen Dahinfahrens zeigt. Gleichfalls sehr empfehlenswert !

[2] Der hingerissene Rezensent hätte das Fehlen von Extras in diesem Fall tatsächlich nicht einmal bemängelt. Um so mehr freut er sich daher über ein sehr humorvolles Gernstl-Interview, diverse Outtakes und den Kinofilm-Trailer: Toll!

Donnerstag, 2. Februar 2006

Aus dem Sumpf gezogen

Als ich den Münchhausen vor etlichen Jahren zum ersten Mal im Fernsehen sah, war ich sogleich faszinert von der Figur des »Lügenbarons«, vor allem aber vom grandiosen Hans Albers, der diese Rolle ganz fraglos ausfüllen und leben konnte wie kein zweiter. Seither habe ich so gut wie jede TV-Ausstrahlung aufgezeichnet und zwischen den verschiedenen Fassungen und Kopien so manchen feinen Unterschied bemerkt. Man sieht schon daran, wie sehr mich der märchenhafte Film nachhaltig in seinen Bann geschlagen hat... Was natürlich auch an der Fabulierkunst des von den Nazis verfemten Schriftstellers Erich Kästner liegt, der unter dem Pseudonym Berthold Bürger für das Drehbuch verantwortlich zeichnete.

Indessen war ich damals viel zu jung, um die politische Dimension des mit immensem Aufwand mitten im Krieg gedrehten Jubiläums-Films der Ufa wahrnehmen, geschweige denn beurteilen zu können: Selbstverständlich ist auch (und gerade!) ein vordergründig auf harmlose Unterhaltung getrimmter Film ein Politikum, wenn er in einem totalitären Führerstaat mit Billigung, ja aktiver Förderung der Obrigkeit entsteht: Für den NS-Propagandaminister Goebbels war der Streifen denn auch sicher weniger ein cineastisches Meisterwerk, sondern ein durchaus wirkungsvolles Mittel zur Beeinflussung, sprich Betäubung der durch den schon mehrere Jahre andauernden Krieg zermürbten Bevölkerung.

Die Diskussion harmloses Lügenmärchen oder gefährliche Propagandalüge soll hier und heute freilich nicht mein Thema sein, dazu möge man bei Markus Hieber weiterlesen. Mir geht es um die Vorderseite der Medaille: Mit seinen für die damalige Zeit unerhörten Trickeffekten ist und bleibt dieser frühe Farbfilm für mich eben auch eine Meisterleistung des Kinos und der Erzählkunst, die jetzt endlich auf DVD erhältlich ist!

Münchhausen

Der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung verdanken wir eine digital restaurierte Filmfassung, die das Alter des Originals fast vergessen läßt, ohne die sanften Töne des Agfacolor-Farbenfilm-Verfahrens durch Übertreibung zu ihrem Nachteil zu verändern. Auch die Tonspur ist behutsam rekonstruiert, wirkt aber keineswegs »digitaltypisch« steril: Man merkt, daß hier Kenner (und Könner) am Werke waren!

Besonders bemerkenswert ist die opulente Ausstattung der Edition: Im schönen Pappschuber finden sich gleich zwei DVDs, da die zahlreichen Extras nicht mehr zusammen mit dem Hauptfilm auf einer Scheibe unterzubringen waren. In der Tat ist es sehr erfreulich, was uns da auf der Bonus-Disc präsentiert wird: Neben kleinen Münchhausen-Trickfilmen, einer Fotogalerie und zahlreichen Biografien ist es vor allem die spannende Dokumentation »Ein Mythos in Agfacolor«, die mich mit ihren vielen Filmausschnitten und Zeitzeugenberichten begeistert hat! Zwar deutet das Doku-Feature die politische Brisanz der Filmkunst im »Dritten Reich« nur am Rande an und beschäftigt sich mehr mit den technikhistorischen Aspekten, doch vermag das ihren Wert in meinen Augen kaum zu schmälern. Übrigens fehlt auch ein informatives Booklet nicht: Alles in allem ein wirklich facettenreiches und liebevoll zusammenstelltes Zugaben-Feuerwerk, wie man es bei vielen anderen Filmklassiker-Editionen oft schmerzlich vermißt...

Film / Inhalt 5 Sterne
Bild & Ton 4 Sterne
Extras 5 Sterne
Aufmachung 4 Sterne
Gesamturteil 5 Sterne

Mit dem »Münchhausen« hat die Firma Transit Film, die sich in vorbildlicher Weise um die Präsentation von Meilensteinen der deutschen Filmgeschichte bemüht, einen echten Volltreffer gelandet. Und da der Preis im Gegensatz zur schrägen Story keineswegs abgehoben ist, sollten Filmfreunde hier sofort zuschlagen !

Montag, 16. Januar 2006

Runde Sache

Als sorglos-jugendlichem Konsumenten kam es mir im März 1983 keineswegs idiotisch vor, mir für den ersten weltweit erhältlichen CD-Player (SONY CDP-101) immerhin knapp 2.500 DM vom Munde abzusparen und auf den Ladentisch zu legen. Woraufhin ich nicht nur rauschfrei Musik (und den Dirigenten atmen) hören, sondern auch allerorten den »dicken Maxe« markieren konnte. Heute verdiene ich weit mehr als zu Ausbildungszeiten, winde mich aber schier vor Bauchgrimmen, wenn ich für ein Stück Unterhaltungs-Elektronik mehr als 100 EUR löhnen soll...

Damals hat mich auch der Aufbau meiner CD-Sammlung ein kleines Vermögen gekostet. Glücklicherweise neigte der eigene Musikgeschmack schon immer der E-Musik zu, von daher war ich irgendwann komplett. Tatsächlich habe ich mir seit Jahren keine neuen teuren Silberscheiben mehr zugelegt: Zwei hervorragende Interpretationen pro Bruckner-Symphonie reichen für alle Zeiten! Dafür habe ich jetzt ein ebenso kompaktes wie erstaunliches Stück Hardware erworben, durch das ich meinem großen Musikarchiv neue Freude abgewinne: Einen Grundig CDP 5400.

Grundig CDP 5400

Dieses futuristische »UFO« ist ein portabler CD-Player, der obendrein auch selbstgebrannte mp3-Scheiben verdauen, sprich wiedergeben kann. Die gelegentlich immer noch anfallenden Dienstreisen im ICE kann ich mir damit sehr angenehm verkürzen... Warum ich mir nicht gleich einen dieser eleganten Mini-Player à la Apple i-Pod zugelegt habe? Weil ich meine ganzen CDs auf meiner lahmen 500 Megahertz-Mühle nicht »mal eben auf die Schnelle« rippen und konvertieren kann. Wozu auch? Ich nehme halt einfach Original-CDs mit und wandle später nur jene meiner Platten um, die ich immer wieder gerne höre.

Zum Beispiel die Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach: Die besitze ich tatsächlich in acht verschiedenen Interpretationen und Instrumentierungen, und alle achte passen in mp3-Fassung (mit variabler Bitrate enkodiert) präzise auf einen CD-Rohling. Da können die Originale fürderhin getrost daheim bleiben (und ich habe nennenswert weniger zu schleppen)...

Grundig CDP 5400

Wie man sieht, verfügt der kleine Taschenspieler sogar über eine praktische Fernbedienung, kann also durchaus auch während des Betriebs im Rucksack verweilen. Überhaupt hat das Grundig-Gerät (von dem außer dem immer noch glanzvollen Namen alles aus Fernost stammt) einige Vorteile, die ich beim Feature-Vergleich in dieser Kombination bei keinem anderen Mini-Player gefunden habe:
  • Betrieb mit Mignon-Zellen oder entsprechenden Standard-Akkus

  • Netz-/Ladebetrieb möglich (Steckernetzteil wird mitgeliefert)

  • Kopfhörerbuchse und Line Out-Buchse zum Anschluß an einen Verstärker

  • mp3-Fähigkeit (CD-R, CD-RW)

  • gut ablesbares Display mit Titel-Anzeige auf der Oberseite

  • Kabel-Fernbedienung für die wichtigsten Funktionen

  • Anti-Shock-Pufferspeicher im Audio-CD-Betrieb abschaltbar (spart Strom)

  • Verzicht auf überflüssigen Klangregel-Schnickschnack
Nach einigen Tagen Testbetriebs (überwiegend stationär über einen Grundig-Vorverstärker MXV 100 und meine großen, alten Grundig-Aktivboxen HiFi 40) kann ich dem Winzling auch in der Praxis beste Beurteilungen zuerkennen:
  • sauberer Klang sogar über die mitgelieferten Ohrhörer

  • erstaunlicher Frequenzgang über Line Out (die allertiefsten Orgelbässe!)

  • intuitive Bedienung

  • rutschfeste Tasten mit gut spürbarem Druckpunkt
Zu bemängeln gibt es aus meiner Sicht nur wenig (und überdies nur Kleinigkeiten):
  • keine Display-Beleuchtung

  • Multi-Segment-Anzeige ist schlechter ablesbar als ein Punkt-Matrix-Display

  • Akku-Ladebetrieb nicht elektronisch geregelt, sondern nur mit Zeitanzeige

  • Batteriefach nur von innen zugänglich

  • Tasche / Schutz-Etui muß separat dazugekauft werden
Für den ungetrübten Hörspaß mußte ich noch nicht mal tief in die Tasche greifen: Nur knappe 30 EUR kostete mich die Bestellung bei amazon.de (bei portofreier Lieferung). Da habe ich mir doch glatt einen zweiten dieser formschönen Silberplatten-Spieler auf Reserve gelegt...

Funktionalität 4 Sterne
Bedienbarkeit 4 Sterne
Design 4 Sterne
Preis / Leistung 5 Sterne
Gesamturteil 5 Sterne

Des musiktrunkenen zonebattler's Fazit: Eine in jeder Hinsicht runde Sache!

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[pathologe - 7. Sep. 2008]
Himmelwärts....aber...
Lieber Zonebattler, ein eindrucksvolles (HDR?) Bild, perfekt ausgearbeitet;...
[jolo (anonym) - 7. Sep. 2008]
Mich hat sie so begeistert,...
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[zonebattler - 6. Sep. 2008]
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Symmetrie die begeistert !
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Als technophiler Bastler, Tüftler und musealer Bewahrer tust Du Dich oft...
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Da klaust du mir doch glatt die Fotoidee: Derartige umfangreiche Latexfloeze...
[gnu1742 - 5. Sep. 2008]
So viel zur Wirtschaftlichkeit
Ein für mich unglaubliches Vorgehen. Es wird einerseits über die fehlende...
[Achim (anonym) - 4. Sep. 2008]
Dunstabzugshauben
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